Wirtshaus Zum Fegerer in Aschaffenburg: fränkische Handschrift, spanisches Schwein und eine Steakrechnung, die man kommen sieht

Kurz-Fazit

Das Wirtshaus Zum Fegerer in der Schloßgasse in Aschaffenburg erreicht im Test 8,0 von 10 Punkten. Die Küche arbeitet handwerklich sauber und saisonal, die Karte ist regional verankert und deckt vegetarisch wie vegan ernsthaft ab. Teuer wird es bei den Steaks: 12 bis 15,50 € pro 100 Gramm plus Beilage.

Die Schloßgasse ist keine Straße, in die man zufällig läuft. Man muss sie wollen – ein paar Schritte vom Schloss Johannisburg weg, dann steht man vor einer Fassade, die nicht schreit. Genau das hat mich hierher gebracht: Ein Haus, das direkt an der wichtigsten Sehenswürdigkeit Aschaffenburgs liegt und trotzdem nicht auf Touristenfang macht, hat entweder Selbstvertrauen oder Gleichgültigkeit. Beim Wirtshaus Zum Fegerer ist es Ersteres.

Ich war an einem Mittwochabend da, ohne Reservierung, und habe die Karte durchgearbeitet, die zu diesem Zeitpunkt hing. Das ist wichtig, weil sich diese Karte offensichtlich bewegt: Als ich sie geprüft habe, standen Pfifferlinge in sechs verschiedenen Gerichten. Wer im August Pfifferlinge fährt und im November etwas anderes, kocht mit dem Kalender und nicht mit dem Katalog. Das ist der erste gute Punkt, noch bevor ich etwas gegessen hatte.

Der erste Eindruck: Wirtshaus, nicht Restaurant

Das Haus nennt sich Wirtshaus, und das ist keine Koketterie. Es gibt Holz, es gibt Wirtshaus-Akustik – also die Art Grundrauschen, bei der man am Nachbartisch mithören kann, ohne es zu wollen. Wer einen stillen Abend für ein Vieraugengespräch sucht, ist hier falsch. Wer will, dass ein Lokal lebt, ist richtig.

Draußen wird auf der Straße bestuhlt, was in der Schloßgasse funktioniert, weil dort kaum Verkehr durchkommt. Barrierefrei ist das Haus nur eingeschränkt – wer auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist, sollte vorher anrufen. Die Öffnungszeiten sind bemerkenswert: täglich mittags von 11:30 bis 14:00 Uhr und abends ab 17:00 Uhr. In einer Branche, die inzwischen reflexhaft zwei Ruhetage einlegt, ist eine Sieben-Tage-Woche eine Aussage. Sie erklärt auch, warum mittags ein eigener Mittagstisch läuft und abends die große Karte – zwei Betriebsmodi in einem Haus, was Küche und Personal fordert.

Was mir sofort gefallen hat: Auf der Karte steht ein Hinweis, dass sich die Gerichte je nach Marktangebot kurzfristig ändern können. Das klingt nach einer Floskel zur Absicherung. In diesem Fall ist es nachprüfbar wahr, weil die Pfifferlingdichte der Karte genau das belegt.

Was auf den Teller kam

Ich habe drei Dinge bestellt, die eine Küche in dieser Preisklasse können muss – und eines, bei dem sie sich exponiert.

Das Tafelspitzsüppchen für 7,00 € ist der Klassiker-Test. Grießklößchen, Rindfleischstreifen, Gemüsejulienne. Die Brühe war klar, nicht fettaugig, und sie hatte Rindgeschmack – kein Brühwürfel-Salz, sondern die leicht süßliche Tiefe, die nur aus Knochen und Zeit kommt. Das Grießklößchen war locker, nicht gummiert. Bei einer Suppe für sieben Euro ist das die richtige Antwort.

Das Vitello Hessisch für 17,00 € ist die interessanteste Idee auf der Karte: zarte Kalbfleischscheiben, aber statt der italienischen Thunfischsauce kommt Frankfurter Grüne Soße darüber, dazu Tomatenwürfel. Das ist ein Regionalwitz mit Substanz – und er geht auf, weil die Grüne Soße kräuterig und säuerlich genug bleibt, um dem Kalb nicht die Show zu stehlen. Das Fleisch war dünn aufgeschnitten, wie es sein muss. Für 17 € ein fairer Kurs.

Der Schweinebraten – ofenfrisch für 18,00 € kam mit Weißbierjus und zweierlei Klößen, Kartoffel- und Semmelkloß. Hier zeigt sich Handwerk: Die Kruste war knusprig, nicht ledrig, die Jus reduziert und nicht angedickt. Beide Klöße hatten unterschiedliche Konsistenz – wer beide selbst macht, spart nicht an der Stelle, an der die meisten sparen.

Bei den frischen Pfifferlingen in Schnittlauch-Rahm für 19,50 € mit hausgemachtem Brezelkloß wurde es dann richtig gut. Der Brezelkloß ist die Sorte Beilage, die man in Aschaffenburg selten so sauber bekommt: salzig, mit Biss, nicht zerfallen. Die Pfifferlinge waren scharf angebraten und nicht in der Rahmsoße ertränkt.

Die Karte und was sie wirklich kostet

Die Karte ist erfreulich diszipliniert gegliedert: Vorspeisen und Salate, Steak-Spezialitäten, Beilagen, Bowls, Klassiker, Tagesgerichte, Dessert. Keine vierzig Hauptgänge, sondern eine Auswahl, die eine Küche mit vernünftiger Besetzung auch abbilden kann.

Bemerkenswert ist die vegetarische und vegane Tiefe. Das ist kein Alibi-Nudelgericht, sondern eine Reihe eigenständiger Teller: Dinkel-Ravioli für 18,00 € mit Kartoffeln, getrockneten Tomaten und Oliven, Falafel für 18,00 € mit Ofengemüse und Rosmarinkartoffeln, eine Poke Bowl für 18,00 € mit Basmatireis, Falafel, Avocado und Mango. Wer vegan isst, wird hier nicht verwaltet, sondern bekocht. Das ist in fränkischen Wirtshäusern noch keine Selbstverständlichkeit.

Und dann die Steaks. Hier muss ich deutlich werden, weil genau daran die Note hängt. Die Steak-Spezialitäten werden nach Gewicht abgerechnet: Steak vom Iberico Schwein 12,00 € pro 100 g, Rumpsteak Grain Fed Beef Uruguay 13,50 € pro 100 g, Rinderfilet vom Jungbullen 15,50 € pro 100 g. Angeboten werden 200, 250 und 300 Gramm.

Rechnen wir das durch, weil es die Karte nicht tut: Ein 250-Gramm-Rinderfilet kostet 38,75 € – nackt. Kräuterbutter ist inklusive, aber jede Beilage kommt extra dazu: Steakhouse-Fritten 4,50 €, Ofenkartoffel mit Quark 5,00 €, Speckbohnen 5,50 €, kleiner Salat 5,50 €, die pikante Steaksoße 3,00 €. Wer Filet mit Fritten und Soße will, landet bei 46,25 € für einen Teller. Das ist Frankfurter Innenstadtniveau in einer Aschaffenburger Seitengasse.

Fair ist: Die Herkunft wird transparent gemacht. Beim Iberico steht erklärt, dass es Weide- und Auslaufhaltung ist; beim Uruguay-Rumpsteak, dass mindestens 120 Tage Getreidefütterung dahintersteht und nur Hereford- und Angus-Rassen verwendet werden. Wer so deklariert, hat nichts zu verbergen. Unfair ist, dass ein Haus mit dieser regionalen Handschrift beim Fleisch nach Spanien und Uruguay greift, während drei Zeilen weiter ein Saiblingsfilet aus dem Hafenlohrtal für 30,00 € steht – also aus dem Spessart, eine halbe Stunde entfernt. Genau dieser Teller zeigt, was die Küche eigentlich will.

Service, Ambiente und für wen sich das lohnt

Der Service war aufmerksam, ohne zu hovern. Ohne Reservierung an einem Mittwochabend einen Tisch zu bekommen war kein Problem; Wasser wurde nachgeschenkt, ohne dass ich winken musste. Was ich nicht testen konnte: wie das Haus an einem ausgebuchten Samstag mit vollem Außenbereich läuft. Bei einer Sieben-Tage-Woche und zwei Servicezeiten wäre das die eigentliche Belastungsprobe. Meine Note bezieht sich ausdrücklich auf einen normalen Wochentag.

Ein Detail, das ich positiv anrechne: Das Haus verweist auf einen Dokumentationsordner, in dem Allergene für alle Speisen und Getränke aufgeschlüsselt sind, und das Service-Team gibt ihn auf Anfrage heraus. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, wird aber oft nur murrend erfüllt. Hier steht es aktiv auf der Karte.

Beim Ambiente muss man wissen, was man will. Es ist ein Wirtshaus mit Wirtshaus-Lautstärke, keine Insel der Ruhe. Für ein Geschäftsessen, bei dem Zahlen besprochen werden, würde ich woanders hingehen. Für einen Abend mit Freunden, für Familie, für die Situation „ich will gut essen und muss mich nicht benehmen wie im Museum" ist die Mischung genau richtig.

Die Lage ist der unterschätzte Trumpf: direkt an der Schloßgasse, Johannisburg in Sichtweite. Wer Aschaffenburg zeigen will, kann Schloss und Abendessen in einem Spaziergang verbinden. Wie sich das Haus gegen die anderen getesteten Adressen der Stadt schlägt, steht im Ranking für Aschaffenburg; der Vergleich über die ganze Region läuft über die Bestenliste Mainfranken.

Speisekarte & Preise (Stand 1. August 2026)

Ein Auszug aus der Karte, die am Prüftag hing. Bei den Steaks gilt der Preis pro 100 Gramm, angeboten werden 200, 250 und 300 Gramm:

Bewertung im Detail

Küche & Handwerk 8,5
Speisekarte & Auswahl 8,0
Preis-Leistung 7,0
Service 8,0
Ambiente 8,5

Das hat überzeugt

  • Küche arbeitet erkennbar saisonal – im Sommer trägt die Pfifferlingsaison sechs Gerichte der Karte
  • Handwerk sitzt: klare Brühe, reduzierte Jus, hausgemachter Brezelkloß, zwei verschiedene Klöße beim Schweinebraten
  • Vegetarisch und vegan sind eigenständige Teller, kein Alibi-Nudelgericht
  • Täglich geöffnet, mittags und abends – Seltenheit in der Region
  • Fleischherkunft wird auf der Karte offen deklariert, Allergenordner wird aktiv angeboten
  • Regionale Höhepunkte wie das Saiblingsfilet aus dem Hafenlohrtal und das Vitello Hessisch

Das ging besser

  • Steaks nach Gewicht werden schnell teuer: 250 g Rinderfilet plus Fritten und Soße landen bei rund 46 €
  • Jede Steak-Beilage kostet zwischen 3,00 und 5,50 € extra – die Karte rechnet das nicht vor
  • Beim Premium-Fleisch geht der Blick nach Spanien und Uruguay, während die Küche regional deutlich stärker ist
  • Wirtshaus-Akustik: für ruhige Gespräche oder Geschäftsessen die falsche Adresse
  • Barrierefreiheit nur eingeschränkt gegeben
Das Fazit vom Restaurant-Checker

Lohnt sich Wirtshaus Zum Fegerer in Aschaffenburg?

Das Wirtshaus Zum Fegerer ist ein ehrlicher Laden mit einer Küche, die mehr kann, als der unauffällige Auftritt in der Schloßgasse verspricht. Die Klassiker sitzen handwerklich, die Saisonalität ist keine Behauptung, sondern auf der Karte nachlesbar, und die vegetarische Abteilung ist ernst gemeint. Dafür gibt es eine klare Empfehlung.

Einen Punkt kostet die Preisgestaltung bei den Steaks. Nicht weil gutes Fleisch teuer sein darf – das darf es –, sondern weil die Karte den Gast die Rechnung selbst machen lässt und jede Beilage separat berechnet. Wer beim Fegerer bestellt, sollte bei den Klassikern und den Saisongerichten zwischen 17 und 21 € bleiben. Da bekommt man das beste Verhältnis aus Handwerk und Preis, das dieses Haus hergibt.

8,0/10 Sehr empfehlenswert Ideal für: Familien, Freundesrunden und Gäste, die fränkisch-saisonal essen wollen – auch vegan

Wo Wirtshaus Zum Fegerer im Ranking steht

Mit 8,0 von 10 Punkten liegt Wirtshaus Zum Fegerer auf Platz 1 von 2 getesteten Restaurants in Aschaffenburg und auf Platz 1 von 3 in ganz Mainfranken. Bewertet wird überall nach denselben fünf Kategorien, deshalb sind die Noten stadtübergreifend vergleichbar.

Ranking Aschaffenburg 2 getestete Restaurants
  1. 1 Wirtshaus Zum Fegerer (dieser Check) Aschaffenburg 8,0/10
  2. 2 Wurstbendel Aschaffenburg 7,6/10
Vollständiges Ranking ansehen →

Häufige Fragen zu Wirtshaus Zum Fegerer

Was kostet ein Hauptgericht im Wurstbendel in Aschaffenburg?

Die Hauptgerichte liegen zwischen 11,90 Euro für die Ofenkartoffel und 23,90 Euro für die Schwabenpfanne, im Schnitt rund 16,21 Euro. Schnitzel kosten 16,90 bis 19,90 Euro, eine Brizza 15,90 bis 16,90 Euro.

Muss man im Wurstbendel reservieren?

Mittags bin ich freitags ohne Reservierung sofort untergekommen. Für Abende am Wochenende und größere Gruppen würde ich in dieser Innenstadtlage trotzdem vorher anrufen, das Haus bietet Reservierung ausdrücklich an.

Gibt es im Wurstbendel vegetarische oder vegane Gerichte?

Ja, und mehr als in vielen Wirtshäusern der Region: Käsespätzle für 15,90 Euro, Ofenkartoffel für 11,90 Euro, O'batzter für 9,90 Euro sowie mit der Brizza Vegan für 15,90 Euro eine komplett pflanzliche Hauptspeise.

Was ist eine Brizza und lohnt sie sich?

Die Brizza ist eine Eigenkreation des Hauses aus dem Jahr 2020: ein Boden aus Laugenteig, belegt wie eine Flammkuchen-Pizza. Der Boden schmeckt tatsächlich nach Brezel, wird aber nach der halben Portion sehr sättigend.

Wie schneidet der Wurstbendel im Ranking ab?

Mit 7,6 von 10 Punkten liegt der Wurstbendel im soliden oberen Mittelfeld unserer Tests. Der aktuelle Vergleich steht in der Bestenliste und auf der Stadtseite für Aschaffenburg.

Wann hat der Wurstbendel geöffnet?

Geöffnet ist täglich ab 11:00 Uhr, montags bis donnerstags und sonntags bis Mitternacht, freitags und samstags bis 01:00 Uhr. Die warme Küche läuft durchgehend bis etwa 21:30 Uhr.

Jonas Brehm

Jonas Brehm

Gründer & Tester · Der Restaurant-Checker

Gelernter Koch aus Aschaffenburg. Testet unangemeldet, zahlt jede Rechnung selbst. Mehr über mich · So bewerte ich

Transparenz: Dieser Besuch war nicht angekündigt, die Rechnung habe ich selbst bezahlt. Preise und Gerichte entsprechen dem Stand vom 1. August 2026 und können sich geändert haben.

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